Vertreibung

Am 05.08.2005 werden meine Lebensgefährtin und ich wohnungslos.

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Zahlreiche Medien berichten über den Fall. Meine Lebensgefährtin war zu dem Zeitpunkt im 6 Monat schwanger. Am Tag der Vertreibung regte Sie sich sehr stark auf und musste an den Wehenschreiber.

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60 Jahre zuvor wurden meine Vorfahren aus Pommern vertrieben. Im Bild der Hof der Bohnenstengels in Belkow:

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Aus der Süddeutschen Zeitung vom 06.08.2005: Stadt evakuiert Wohnhaus von Bernd Kastner

Lilienstraße. Ein gut 100 Jahre altes Haus in der Lilienstraße in der Au musste am Donnerstag evakuiert werden. Wegen einer benachbarten Baugrube ist die Stabilität des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes nicht mehr gewährleistet. Die Lokalbaukommission verfügte in Absprache mit Statikern sowie dem Eigentümer des Anwesens Lilienstraße 8 die Räumung. Acht Mietparteien mussten innerhalb weniger Stunden ihre Wohnungen verlassen…  (ganzer Artikel auf SZ Online,dort mit falscher Datierung)

 

Ein Bewohner hat es geschafft in kürzester Zeit einen Umzugslaster zu organisieren. Zahlreiche Schaulustige beobachten die Räumung.

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Gegenstände, die mitgenommen werden können und welche die in dem Haus verbleiben müssen: Kinderwagen und Klavier.

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Als Fotograf hängt man an seinem Fotoarchiv. Die über 100 Leitzordner werde ich alledings nicht mitnehmen können.

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Mitarbeiter einer Baufirma gießen Fundamente aus Beton an denen Stützen angebracht werden um die Hausfassade abzustützen.

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Screenshot www.sueddeutsche.de. Ein Reporter der Süddeutschen Zeitung fotografierte die Räumung. Quelle: Peter Hudec, SZ (dort falsch datiert)

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Aus der Süddeutschen Zeitung vom 06.09.2005: Der ganz normale Horror – Die Leute aus dem Einsturzhaus in der Lilienstraße erleben persönliche Katastrophen von Bernd Kastner

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Das Haus wird niemand mehr betreten dürfen. Nach einiger Zeit wird es abgerissen.

Nach Monaten erhalten wir die Genehmigung über einen Kran einen Container an eines der Fenster andocken zu dürfen um unser Hab und Gut zu bergen. Das Klavier verbleibt in der Wohnung. Es ist zu schwer. DSC_0056

Manchmal frage ich mich ob es das Leben selbst ist, dass uns so lange mit ungelösten Themen konfrontiert, bis Sie als solche erkannt, gemeistert, befriedet und aufgelöst werden. Oder konstruiere ich blos aus Zufällen eine Wirklichkeit, die u.a. Narrationen der klassischen griechischen Tragödie folgt? – Vielleicht. Schließlich kann man sich auch in Themen reinsteigern und sogar verrennen. Wem ist das noch nicht passiert?

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2005: Die Mietergemeinschaft des Wohnhauses in der Lilinestraße