8. Mai: Empathierunde zum Tag der Befreiung

Am 8. Mai jährte sich das Kriegsende in Deutschland zum 70. Mal. An diesem Tag fanden in Köln, Konstanz und München Friedens-Aktionen statt.

„70 Jahre nach Kriegsende geht es uns beim Gedenktag am 8.5. um Versöhnung und Vergebung. Dabei ist für uns (Gewaltfreie) Kommunikation von zentraler Bedeutung. Mitglieder vom Verein Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation München e. V. bieten deshalb Empathiespaziergänge auf dem Olympiagelände an. Die Teilnehmer erzählen von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen und hören anderen zu – es geht um die Gegenwart.“

In München fanden sich rund ein Dutzend Menschen auf dem Olympiaberg an dem Mahnmal Schuttblume ein.

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Texte als Anregung für die Veranstaltung wurden auf einem Flyer ausgedruckt und verteilt.

Marshall Rosenberg: „Wenn wir die Menschen auf Bedürfnisebene hören, sind wir „alle EINS“. Und ich kann mit dieser Person oder Gruppe Verbundenheit erleben und in Beziehung sein. Es kann sein, dass ich nicht mit der Strategie einverstanden bin, wie sie sich ihre Bedürfnisse erfüllen. Deshalb konzentriere ich mich darauf, Bedürfnisse zu hören und auszusprechen, und ich konzentriere mich darauf, dass sie ihre Bedürfnisse berücksichtigt bekommen. Es kann auch sein, dass wir im Augenblick nicht wissen, wie die Bedürfnisse beider Seiten erfüllt werden können, aber wenn wir uns mit dem Verständnis für diese Bedürfnisse verbinden und einander zuhören, dann können wir daran arbeiten, wie die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden.“

Rede von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 (Asuzug): „Wiir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden …. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von neuem zu überwinden …. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander …. Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit. Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

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In einer Gesprächsrunde artikulierte jeder sein Empfinden in Hinblick auf die gesellschaftliche und persönliche Dimension des 8. Mai

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Aus dem Methodenrepertoire der Gewaltfreien Kommunikation: Karten mit allgemeinen menschliche Grundbedürfnissen, die im Alltag häufig nicht befriedigt werden

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Symbol aus der Metaplanmethode: Die Wolke, auf der das Thema eingetragen wird

Wolken

 

Impressionen:

AchterMai - 055AchterMai - 230AchterMai - 047Isolde Teschner und Michael Schneider in München am 8. Mai 2015 AchterMai - 057 AchterMai - 084   AchterMai - 136 AchterMai - 162AchterMai - 175AchterMai - 036AchterMai - 236 AchterMai - 238AchterMai - 309 AchterMai - 313

 

In einer Runde formulierte jeder Teilnehmer sein Anliegen oder seine Vision. Im Bild: Isolde Teschner (Ehrenmitglied im Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation München) und Michael Schneider (Vorstand Kriegsenkel e.V.)

Isolde Teschner und Michael Schneider in München am 8. Mai 2015

 

Isolde Teschner: „Mir liegt die Völkerverständigung am Herzen. Wir müssen uns noch viel mehr begegnen um den Dialog zwischen den Nationen zu verbessern.“

Isolde Teschner Mitbegründerin der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland

 

Gudrun Haas: Meine Sehnsucht geht dahin, inneren Frieden zu haben und dadurch erfüllende Gemeinschaft zu erleben. Daran arbeite ich und die Methode meiner Wahl ist dafür ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Allerdings wird in mir Frieden nie ganz erfüllt sein, solange es auf der Erde Krieg und Unfrieden gibt.

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Andreas Bohnenstengel: „Die Bundesrepublik hat ein hervorragendes Grundgesetzt. Die Gründerväter hatten beim Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee die Vernunft und dauerhaften Frieden im Blick. Nicht jeder Mensch orientiert sich an der Vernunft und handelt friedlich. Institutionen, die ursächlich eingerichtet wurden um Frieden zu stiften können leider missbraucht werden, auch in unserer Zeit. Ich persönlich möchte mich für den Frieden engagieren.“

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Markus Dietl: „Es ist zwar schön, dass die Medien über das Kriegsende vor 70 Jahren viel berichten und sich die Politik dem Thema annimmt. Wichtig halte ich allerdings nicht nur die politische Aufarbeitung durch Merkel oder Gauck. Ich wünsche mir da noch mehr auf persönlicher Ebene. Aber damit meine Generation das Thema persönlich aufarbeiten kann, müssten die Gemeinden helfen. Hier passiert immer noch viel zu wenig. Interessante Fragen dabei wären: Wer waren früher die einflussreichen Nazis in der Stadt/Gemeinde? Was haben sie getan? Wer wurde wohin verschleppt? Doch  bei solchen Fragen mauern die Leute und es will keiner so genau wissen – zumindest in meiner Heimatstadt.“

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Die Veranstaltung war bei beim Münchner Kreisverwaltungsreferat angemeldet.

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Zwei Polizisten schauten vorbei und plauderten mit den Veranstaltern

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Andreas Bohnenstengel, Gudrun Haas, Isolde Teschner, Michael Schneider und Markus Dietl

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Gruppenbild vor der Schuttblume

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Gegen 17.30 löste sich die Veranstaltung auf. Auf dem Weg vom Olympiaberg zur U-Bahn-Station ergaben sich noch Einzelgespräche

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Iris Wangermann hat am 8. Mai eine Veranstaltung in Köln organisiert und durchgeführt

„Zu acht haben wir uns an diesem Tag auf dem Kölner Melaten-Friedhof getroffen. Unsere kleine Gemeinschaft saß zwischen Kriegsgräbern aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Hier teilten wir unsere Gefühle und Gedanken zu diesem 8. Mai. Danach ging jede für sich auf einen kleinen Spaziergang mit der Frage: „Was braucht es für Frieden in unserer Gesellschaft?“ und kam zurück mit einer Geschichte, einem Spruch, oder einem Gedicht (siehe Fotos). Alle waren sich einig, dass dieses Treffen sehr heilsam war – für uns und vielleicht auch für unsere Ahnen.“ Iris Wangemann

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Ina Lindauer und Karina Gütges haben am 8. Mai ebenfalls eine Veranstaltung in der Nähe von Konstanz organisiert und durchgeführt

(Bericht auf deren Website)

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„Wir trafen uns zu am 8.5.2015, um diesen 70.ten Friedenstag mit einem Ritual am Untersee zu würdigen. In der Stille nahmen wir Kontakt zu unserem Herzen auf, um es erst einmal für uns selber zu öffnen und folgten damit der Laoste Anregung „Damit im Haus Frieden herrscht, muss man ihn im eigenen Herzen finden“ (s.u.).

Denn wie ein Glas Wasser kann ich nur einem anderen etwas weiter schenken, wenn ich selbst angefüllt bin, bin ich selber leer, kann auch nichts weiterfließen. So konnten wir anschließend die Verbundenheit im Kreis mit allen Anwesenden spüren und den Wunsch nach innerem und äußerem Frieden. Unsere Barrieren und Wünsche, all dass, was sich wandeln bzw. erfüllen möge, damit Frieden in uns, der Nachbarschaft bis hin zur Welt geschehen kann, schrieben wir auf. Gemeinsam entzündeten wir ein kleines Lagerfeuer und verbrannten die Zettel als Symbol für die Transformation. Mit einer Runde der gegenseitigen Wertschätzung beendeten wir den offiziellen Teil des Rituals.“

  • Damit es Frieden in der Welt gibt, müssen die Völker in Frieden leben.
  • Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt, dürfen sich die Städte nicht gegeneinander erheben.
  • Damit es Frieden in den Städten gibt, müssen sich die Nachbarn verstehen.
  • Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt, muss im eigenen Haus Frieden herrschen.
  • Damit im Haus Frieden herrscht, muss man ihn im eigenen Herzen finden.

Laotse, chinesischer Philosoph, 4. – 3. Jahrhundert v.Chr.

Das Back2Future Team: Ina Lindauer & Karina Gütges

Fotografien vom Untersee:

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